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Wien 8 - Strozzigasse 47
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DER TEMPEL FUR GIN-TRINKERINNEN

Wer sein Faible für Gin so richtig ausleben möchte, der findet ausgerechnet in Wien eine Pilgerstätte von Weltruf. Das Torberg in der Josefstadt lockt mit knapp 290 Sorten, enormer Gastfreundschaft und jeder Menge Wacholder-Tonic-Geschichten: Barchef Gerald Alexander Gsöls gilt als wahrer "Gin-Papst".
 
Es war im Hochsommer, als in der urigen Bar "Das Torberg" im achten Wiener Gemeindebezirk plötzlich eine Art Flashmob einsetzte. Barchef Gerald Alexander Gsöls wähnte sich in einer geplanten Scherzaktion, als in kurzer Zeit ein Taxi nach dem anderen vor seiner Tür hielt. Nach wenigen Minuten standen gut vier Dutzend Spanier in seiner Bar. Alle wollten zielgerichtet nur eines: Gin and Tonic – in allen denkbaren Variationen.
 
REKORDSORTIMENT
 
Aber warum ausgerechnet Spanier? Und warum gehen alle ins Torberg? Nun ja, das Lokal ist nicht irgendeine Gin-Bar, sondern der ungekrönte Weltmeister. Denn knapp 290 Gin-Sorten in einem Lokal, das ist auf diesem Globus einzigartig. Weder in London, New York oder Tokio findet man ein Etablissement mit einem auch nur annähernd so vielfältigen Sortiment der Wacholder-Spirituose. Mittlerweile ist sogar das Guinness Book of Records auf das Torberg aufmerksam geworden – genauso wie besagte spanische Reisegruppe. Rekorde sprechen sich eben herum, und Spanien ist immerhin das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Gin-Konsum der Welt – auf keiner Speisekarte fehlt dort Gin and Tonic. Die müssen es also wissen.
 
Genauso wie Herr Gsöls, also Gerald. Er erklärt all diese Storys und Geschichten rund um seine Leidenschaft gern höchstpersönlich und macht damit den Besuch im Torberg zu einem Erlebnis. Immerhin gibt es zu den fast 290 Sorten und dem jeweils passenden Tonic einiges zu erzählen – Anrüchiges und Köstliches über die Botanicals (also die Inhaltsstoffe), Überraschendes genauso wie Historisches.
 
Denn Gin ist nicht nur Kult, sondern auch eine Legende mit Geschichte – besonders dessen gemixte Form mit Tonic. Von den Vorzügen dieser Kombination wusste schon die East India Company ein beschwingtes Lied zu trällern – damals, in Singapur: als Malaria-Prophylaxe mit sinnerweiternden Eigenschaften. Auch Captain Jack Sparrow hätte dem Rum abschwören sollen: Gin and Tonic kann weitaus mehr.
 
SO RICHTIG SYMPATHISCH
 
Wer übrigens bei Gin and Tonic an eine hippe, trendige Bar denkt, der erlebt im Torberg eine Art Antithese – und zwar eine richtig sympathische. Denn während sich auch in Wien einige Lokale trendgemäß dem "In-Gesöff" verschrieben haben, ist das Torberg ein Hort der erdigen Gin-Leidenschaft und damit weitaus sympathischer als die zu sichtbar gewinnorientierte Bar-Konkurrenz.
 
Diese Ausnahmestellung beweist auch der gesellschaftliche Querschnitt des Stammpublikums. Wochentags strömen nämlich gegen 17 Uhr nicht nur Studenten und Bürohengste ins Torberg, sondern eben auch Hackler und die eine oder andere passionierte "Rauschkugel". So mancher Gast tauscht dann auch schon mal seine Krawatte gegen einen letzten Gin. Die Krawattensammlung über der Bar bestätigt diesen Trend – weg vom Textil, hin zum Gin!
 
GIN WIRD ÖSTERREICHISCH
 
Apropos Trend, es springen mittlerweile auch immer mehr heimische Produzenten auf den Zug auf und brennen Gin – Gerald erzählt von mittlerweile über 20. Und: Er führt sie alle, wenngleich sich seine Begeisterung über deren Qualität in Grenzen hält. Deswegen haut er nun höchstselbst in die Tasten und brennt gerade – endergebnisoffen – seinen eigenen Gin. Auch wenn ihn das sicht- und hörbar unglücklich macht: Der "Gin-Papst" ist zu kritisch ...
 
Mit verbal artikulierten Gin-Vorlieben und -Abneigungen sollte man übrigens vorsichtig sein. Immerhin stehen im Torberg nicht umsonst Sprüche wie: "Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit ... blöd reden auch!" Für uns macht Gerald jedoch eine Ausnahme, er artikuliert vier großartige Gin-and-Tonic-Kombinationen (siehe unten). Da bleibt uns nur noch eines: den Besuch im Torberg zu empfehlen. Gin Gin!
 
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Das Gin-4+4
 
Richtig guten Gin kostet man pur – aus einem Weinglas, mit Eis. Denn auch der Geruch spielt eine Rolle. Erst dann kommt das Tonic dazu – und zwar nicht irgendeines. Hier sind vier göttliche Kombinationen...
 
GIN MARE + TONIC WATER 1724
Ein mediterraner Doppelpack, der exakt aufeinander abgestimmt ist. Der Name 1724 kommt übrigens vom Chinin, das per Hand gepflückt wird – in Peru ... 1724 Meter über dem Meer. Vorsicht: Suchtgefahr!
 
OPHIR + FENTIMANS TONIC WATER
Einer der derzeit ausgewogensten Gins – mit besonderer Gewürznote. Soll die historische Gewürzreise von Asien nach England nachzeichnen. Ideal mit Fentimans Tonic.
 
BOTANIC W&H + THOMAS HENRY
Das derzeit spektakulärste Gin-Erlebnis. Denn zum Gin gibt es das ergänzende Parfüm: Mit Buddhas Hand – einer fingerförmigen Zitronensorte – verfeinert und Thomas Henry ein wahrhaft göttlicher Genuss.
 
GIN+ FEVER TREE TONIC WATER
Ein Heimgaumenspiel, denn der Gin kommt aus der Steiermark und schmeckt besonders gut mit Fever Tree und Gurke.
 
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Die Location: Das Torberg, Strozzigasse 47, 1080 Wien, Montag bis Samstag, 17 bis 2 Uhr.